Die analytische Psychologie nach C.G. Jung und die Phänomenologie von Ayahuasca-Erfahrungen: Unbewusste und affektive Dynamiken

Monday, March 4, 18:30 - 19:45, University of Zurich, KOL-F-118

Dr. med. Heiner Dörfler
Psychiater und Ayahuasca-Forscher

Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875-1961) prägte mit seinen Begriffen, Ideen und Theorien die populärwissenschaftliche Psychologie des 20. Jahrhunderts, in der akademischen Welt blieb er jedoch oft umstritten. Wesentlich waren für Jung spirituelle und transzendente Dimensionen des Menschen, er suchte nach Tiefe und Sinnerfahrungen in der menschlichen Seele. Mit seinem Werk wirkte er in die Bereiche von Religionspsychologie, Philosophie, Astrologie und Ethnologie hinein. Die Innenschau war für Jung der Schlüssel zu Selbsterkenntnis und Individuation. Im psychotherapeutische Prozess ging es für Jung darum, sich mit Komplexepisoden, unter besonderer Berücksichtigung der affektiven Ebenen, auseinanderzusetzen. In einem schöpferischen Prozess mit dem Einbezug von Träumen und inneren Bildern sollte im Analysanden ein Entwicklungs- und Wandlungsprozess angestossen werden.

Ayahuasca ist ein traditioneller psychotroper Tee aus dem Amazonasgebiet, der in den letzten Jahren ein zunehmendes wissenschaftliches Interesse erweckt. Trinkende berichten von Ayahuasca als Werkzeug, unentdeckte Gebiete des menschlichen Geistes zu erforschen. Unter der Wirkung von Ayahuasca kommt es zu einem breiten Spektrum psychischer und physischer Phänomene, darunter beispielsweise das Wiedererleben autobiografischer Erinnerungen, das intensive Fühlen körperlicher Sensationen, oder auch transpersonale und übersinnliche Erfahrungen. Auch können unangenehme, karthatische Prozesse durchlebt werden, welche in Jungs Worten als Begegnungen und Arbeit mit dem eigenen Schatten beschrieben werden können. In diesem Vortrag möchte sich der Referent mit Parallelen in Jungs Konzepten und der Phänomenologie von Ayahuasca-Erfahrungen auseinandersetzen.